AFGHANISTAN NACH 9/11

Bei der Nordallianz im Pandschir-Tal

Foto oben: Im September 2001 treffen Kämpfer der Nordallianz letzte Vorbereitungen für den Angriff auf Kabul. Die afghanische Hauptstadt befindet sich seit 1996 unter Kontrolle der Taliban.
Foto unten: Auf einem Pass im Hindukusch-Gebirge inspiziert ein Fahrer einen Defekt am Wagen eines Journalistenteams.


 

Bei der Nordallianz im Pandschir-Tal

Nach 20 Jahren Antiterrorkrieg stehen die Taliban wieder in Kabul. Das letzte größere Widerstandsnest ist ein als uneinnehmbar geltendes Gebiet im Nordosten der Stadt: das Pandschir-Tal. ZWISCHENZEIT ONLINE-Gründer Heinz Stephan Tesarek war im September 2001 dabei, als dort die Mudschahedin zum Sturm auf Kabul rüsteten.

Text und Fotos: Heinz Stephan Tesarek

Im August 2021 ziehen die letzten US-Truppen aus Afghanistan ab, Kabul fällt nach 20-jährigem „Krieg gegen den Terror“ zurück in die Hände der radikalislamistischen Taliban. In ebenso unglaublicher Geschwindigkeit, wie die Stadt im Oktober 2001 einst von der Nordallianz – einem losen Bündnis miteinander rivalisierender Warlords – eingenommen wurde.

Im September 2001 gehörten der Journalist Andreas Zeppelzauer und ich (damals freier Fotojournalist mit Sitz in Moskau) zu einer Handvoll österreichischer Reporter, die sich von der afghanischen Provinzhauptstadt Faizabad aus auf den Weg durch das Hindukusch-Gebirge und das Pandschir-Tal machten, um über den bevorstehenden Angriff der US-Amerikaner und die letzten Vorbereitungen der Nordallianz für den Sturm auf Kabul zu berichten.

Es war ein Weg durch ein archaisches, aus der Zeit gefallenes, vielerorts mittelalterlich anmutendes Territorium. Geprägt von 40 Jahren Krieg, der Scharia und dem allgegenwärtigen Konterfei jenes Mannes, der den Widerstand gegen die Taliban anführte: Ahmad Schah Massoud, von seinen Anhängern auch „Löwe von Pandschir“ genannt (Massoud war zwei Tage vor den Ereignissen vom 11. September 2001 von einem Selbstmordkommando der al-Qaida ermordet worden).

An das medial gepflegte Bild der Mudschahedin als hehre Freiheitskämpfer erinnerte vor Ort wenig. Denn auch im Gebiet der Nordallianz waren die Gesetze des Islams allbestimmend.

Nach dem Truppenabzug der US-Amerikaner versucht der Sohn Massouds, Ahmad Massoud, unter der Bezeichnung „Nationale Widerstandsfront von Afghanistan“ die Wiedervereinigung ehemaliger Mitglieder der Nordallianz. Und den erneuten Widerstand gegen die Taliban.


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Rund 10.000 Kämpfer sollen sich im Pandschir-Tal versammelt haben, darunter auch Soldaten der jahrelang vom Westen aufgebauten Afghanischen Nationalarmee. Jener Armee, die gegen die auf Kabul vorrückenden Taliban keinen Widerstand leistete – wohl auch, weil sie sich der von westlichen Besatzungsmächten gestützten Regierung nicht verpflichtet sah. Ob es der „Nationalen Widerstandsfront von Afghanistan“ – der neuen Nordallianz – gelingen wird, den Taliban dauerhaft standzuhalten, gar Territorium zurückzugewinnen, ist überaus ungewiss.

20 Jahre „Krieg gegen den Terror“, geführt von den USA und deren Verbündeten, haben nicht nur über zwei Billionen Dollar verschlungen, Hunderttausende Menschenleben gefordert und Millionen Afghanen zu Flüchtlingen gemacht, sondern auch das Kräfteverhältnis erheblich zugunsten der Taliban verschoben. Aber vielleicht ist – und war – der Sieg in einem aussichtslosen Krieg gegen Terroristen auch gar nicht das primäre Ziel. ZZ

Bild: Einmal Richtung Kabul und zurück: Fotograf Heinz Tesarek, „News“-Reporter Andreas Zeppelzauer, ORF-Kameramann Friedrich Lex und ORF-Journalist Friedrich Orter. Auf der Reise mit dabei: Reporter David Soukup, der für die tschechischen Medien „Super“ und „TV-Nova“ berichtete. Soukup ist auch Fotograf dieses Bildes, das kurz vor unserer Rückkehr nach Tadschikistan entstand.


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OBJEKTIV PRESSEFOTOPREIS

Shooting Chabela. So entstand die Fotoreportage des Jahres 2019

Shooting Chabela.
So entstand die Fotoreportage des Jahres 2019

Im Jänner 2019 bot sich mir die Gelegenheit, für ZWISCHENZEIT ONLINE und die Straßenzeitung „Augustin“ den „World Underground Wrestling“-Kampf des Jahrtausends – Chabela vs. Million$Ma’am – zu fotografieren. Einen Kampf der Gigantinnen, ein Aufeinandertreffen von Gut und Böse, von Moral und Kapital. In den Katakomben der Gürtellokals „Weberknecht“, vor tosendem Publikum.

Was ich im Jänner 2019 nicht ahnte: „Chabela, die Königin vom Kella“ – so der spätere Titel des Wrestling-Dramas – sollte wenige Monate nach der Veranstaltung mit dem „Objektiv“-Fotopreis der APA als Fotoreportage des Jahres ausgezeichnet werden. Was ich ebenfalls nicht ahnte (und erst lange Zeit nach der Verleihung erfuhr): Der Kampf wurde auch auf Video festgehalten. Und damit die Produktion der entscheidenden Bilder.

Die Links zum Video

Kampf-Filmszenen

Videomaterial freundlicherweise zur Verfügung gestellt von World Underground Wrestling.

Aktueller Hinweis

Derzeit biete ich ausschließlich Einzelcoachings per Zoom, Skype oder persönlich „on location“ an. Gruppenworkshops finden momentan nur auf Anfrage statt (mehr erfahren Sie hier). Anfragen und Buchungen bitte per Mail an mail@heinztesarek.com


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VIER TOTE, ÜBER 20 VERLETZTE

Terror in Wien

Terror in Wien

Alle Bilder des IS-Attentats vom November 2020

Fotos: Heinz Stephan Tesarek für ZWISCHENZEIT ONLINE


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BILDBAND ZWISCHENZEIT

Als der Ruf des Diktators „Zwischenzeit“ ein Ende setzte

Foto oben: Am Abend der weißrussischen Präsidentenwahl 2010 versammeln sich Tausende Menschen auf dem ehemaligen Lenin-Platz in Minsk, um gegen das mutmaßlich gefälschte Wahlergebnis zu demonstrieren. Wenige Stunden zuvor waren Hochrechnungen veröffentlicht worden, wonach der amtierende Präsident Alexander Lukaschenko die Wahl mit rund 80 Prozent der Stimmen für sich entscheiden konnte.
Foto unten: Die spätere Veröffentlichung der Reportage in „News“.


Als der Ruf des Diktators „Zwischenzeit“ ein Ende setzte

Am 19. Dezember 2010 fand nicht nur meine Arbeit an einer Reportage über die weißrussische Präsidentenwahl ein unvorhergesehenes Ende. Auch die Fotoproduktion für den Bildband „Zwischenzeit“ endete nach sieben Jahren mit einem – wohlplatzierten – Schlag. 

von Heinz Stephan Tesarek 

Es war einer der folgenreichsten Aufträge meiner Laufbahn als Fotojournalist: die Produktion der Serie „Der Ruf des Diktators“. In sieben Bildern führt die Sequenz durch die Ereignisse der weißrussischen Präsidentenwahl 2010. Von der morgendlichen Stimmabgabe des „Letzten Diktators Europas“, Alexander Lukaschenko (in Begleitung seines Sohnes Nikolai, Bild 1–3), bis zur nächtlichen Niederschlagung der Proteste der weißrussischen Demokratiebewegung (Bild 4–7).

Mein Kollege, „News“-Reporter Christoph Lehermayr, wird diese Situation später wie folgt beschreiben: „Hunderte Männer stürmen den Platz. Sonderpolizisten – schwarz, vermummt, hemmungslos. Sie prügeln auf alles ein: Alte, deren Kinder, deren Enkel. Sie hämmern auf ihre Metallschilder, treiben die Menge auseinander, verfrachten Hunderte in Lkw zum Abtransport in die Gefängnisse … Präsidentschaftskandidat Sannikow liegt blutend im Schnee. Das Handynetz wird heruntergefahren, die Internetverbindungen gekappt, eine Hetzjagd setzt ein. Nicht der Platz ist länger ihr Austragungsort, sondern ganz Minsk. Überall Spezialpolizei, die jeden jagt, der noch draußen ist … Die Bilanz der Nacht: 600 Verhaftungen, sechs von neun Präsidentenanwärtern in KGB-Gewahrsam, ein weiterer verletzt aus dem Spital entführt. Zertrümmerte Oppositionsbüros, festgenommene Journalisten und Politiker, denen 15 Jahre Haft drohen.“

„Höchstes demokratisches Niveau“

Video: In einem nahe des Lenin-Platzes gelegenen Hotel befand sich spätabends auch Ex-Vizekanzler und OSZE-Wahlbeobachter Hubert Gorbach. Im Interview erläuterte mir Gorbach seine Beurteilung des Wahlablaufs.


Das Ende der Arbeit an „Zwischenzeit“

Infolge einer zwischen Bild 6 und 7 erlittenen Verletzung (ein zwischen dem Schlagstock eines OMON-Polizisten und der Kamera erlittener Trümmerbruch des „Auslösefingers“) endete die Reportage in Weißrussland früher als geplant. Und auch die Fotoproduktion für den Bildband „Zwischenzeit“ – später namensgebend für ZWISCHENZEIT ONLINE – fand so nach sieben Jahren in Minsk ein unvorhergesehenes Ende.

In den folgenden Monaten entstanden die ersten Buchtexte und Bildbeschreibungen. 2013 erschien der Band in Wien. Mehr über die Produktion von „Zwischenzeit“ erfahren Sie – demnächst – im Beitrag „The Making of Zwischenzeit“.

Pressefoto des Jahres

„Der Ruf des Diktators“ wurde 2011 mit dem APA-Pressefotopreis „Objektiv“ als Fotoserie und Pressefoto des Jahres ausgezeichnet. Vor allem jedoch führten die Ereignisse in Weißrussland zu einer Menge Ärger. Aber das ist eine andere Geschichte – und lange her.

10 Jahre später

2020 wurde in Weißrussland erneut infolge einer mutmaßlich manipulierten Präsidentschaftswahl demonstriert. Trotz monatelang anhaltender Proteste hält sich Präsident Lukaschenko aber bis zum Erscheinen dieses Beitrags im Amt.

Der Bericht von Christoph Lehermayr

Wenn Sie mehr über die Situation in Weißrussland erfahren möchten – etwa weshalb Lukaschenko durchaus Rückhalt in Teilen der Bevölkerung genießt – lesen Sie auch den in „News“ 01/11 erschienenen Bericht von Christoph Lehermayr. Dieser hat bis heute seine Gültigkeit bewahrt.

Der Bildband „Zwischenzeit“

„Zwischenzeit“ ist im Onlineshop und auf Amazon erhältlich. Mehr über das Buch erfahren Sie weiter unten im Beitrag und auf der Buchseite.


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ANALYSE

Der Tag, an dem die SPÖ das Bundeskanzleramt verlor

Der Tag, an dem die SPÖ das Bundeskanzleramt verlor

Ein Kommentar zur Nationalratswahl 2017 mittels zweier Fotografien: des letzten und des ersten Bildes einer am Tag der Wahl fotografierten Reportage. Eines sei bei Betrachtung der beiden Fotos in Erinnerung gerufen: der an die Entscheidungen der deutschen Bundeskanzlerin Angelika Merkel angelehnte Kurs der SPÖ während der Flüchtlingskrise 2015/2016.

Fotos und Text: Heinz Stephan Tesarek


Bild 1

15. Oktober 2017, 23:28 Uhr. Das letzte Bild des Wahltages

Ein Paar passiert Antiterror-Poller vor dem österreichischen Bundeskanzleramt. Errichtet wurden die baulichen Maßnahmen während des Wahlkampfs.


Bild 2

15. Oktober 2017, 23:28 Uhr. Das erste Bild des Wahltages

Ein Fahrzeug passiert die Zufahrt zur Fußgängerzone Kärntner Straße. Für einen Attentäter bestünde freie Fahrt bis zum Stephansdom.


Zwei Wochen später: Amokfahrt in New York

Foto links außen: Am 31. Oktober – zwei Wochen nach der Nationalratswahl – kamen beim Anschlag eines usbekischen IS-Terroristen in New York acht Menschen ums Leben. Der Attentäter war mit einem gemieteten Kleintransporter einen Radweg entlanggerast.

Korrektur: Beim Foto unten („Wahltag. Freie Fahrt zum Stephansdom“) ist das Datum inkorrekt angeführt. Aufnahmezeitpunkt war der 15. Oktober.

Aktualisierung: Mittlerweile wurden auch an der Zufahrt zur Kärntner Straße Poller errichtet.


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ISLAMISCHER STAAT

LIES! – Die Koranverteiler von der Mariahilfer Straße

LIES! – Die Koranverteiler von der Mariahilfer Straße

Die beinahe unveröffentlicht gebliebene Reportage, die zum Ende des „LIES!“-Projekts in Österreich führte – und Anstoß zur Gründung von ZWISCHENZEIT ONLINE gab.


Jahrelang begegnete man ihnen in Fußgängerzonen in ganz Europa: den Aktivisten der Koranverteilungskampagne „LIES!“. Aber wer waren diese Männer und welche Ziele verfolgten sie? Lag ihre Aufgabe in der Verteilung von Koranen oder rekrutierten die LIES!-Leute zudem für den Islamischen Staat und den Dschihad in Syrien? Wenn dem so war: Warum ließ man sie über Jahre ungehindert gewähren?

von Heinz Stephan Tesarek (Text & Fotos)

Spätsommer 2015. In Syrien tobt der Krieg, in Europa nähert sich die Flüchtlingskrise ihrem Höhepunkt. Auf der Wiener Mariahilfer Straße stehen fromme Männer mit langen Bärten und suchen das Gespräch mit Passanten, verteilen kostenlose Exemplare des Korans. Nicht nur in Wien, auch in anderen Städten; von Berlin bis Zürich, von Eisenstadt bis Mürzzuschlag. Man sieht sie in Paris, in London, am Balkan und im Vorfeld der Olympischen Spiele sogar in Rio de Janeiro.

Die Produktion der Bilder

Die folgende in vier Kapitel gegliederte Fotoreportage entstand in den Jahren 2008, 2011 und 2015. Ziel war die Zusammenstellung einer Bildserie – einer visuellen Indizienkette –, welche die Hintergründe des „LIES!“-Projekts unmissverständlich offenlegt.


LIES! – Die Koranverteiler von der Mariahilfer Straße

Eine Fotoreportage in vier Kapiteln

Warnung: Die Serie enthält Szenen extremer Gewalt

Für die abgebildeten Personen gilt die Unschuldsvermutung


Keine Koranverteilungen während des Wahlkampfs

Bemerkenswertes Detail am Rande der Produktion: Die Aufnahmen auf der Mariahilfer Straße entstanden im August und im Oktober 2015. Im September wurden keine Bilder gemacht – aus delikaten Gründen: Es herrschte Gemeinderatswahlkampf und die Organisation hatte (eigenen Angaben zufolge) zeitweilig keine Bewilligung zum Betrieb ihrer Stände erhalten. Nach Austragung der Wahl (die SPÖ gewann mit 39,59 Prozent der Stimmen vor FPÖ und Grünen) wurden die Verteilungen wieder aufgenommen.

Bild oben: Ein Wahlplakat der SPÖ auf der Mariahilfer Straße, aufgenommen während der „Refugees Welcome – Walk of Fame der Menschlichkeit“-Demonstration im Oktober 2015.


Die Veröffentlichung der Serie und das Ende des „LIES!“-Projekts

Die „LIES!“-Reportage erschien am 22. November 2015 – neun Tage, nachdem bei Anschlägen des IS in Paris 130 Menschen ums Leben kamen – auf sechs Seiten in der Sonntagsbeilage der Kronen Zeitung und erreichte über drei Millionen Leser. Drei Tage später – am 25. November – gab das „LIES!“-Projekt die einstweilige Einstellung seiner Aktivitäten in Österreich bekannt (die Veröffentlichung in KRONE BUNT ist hier zu sehen).

Die Veröffentlichung auf ZWISCHENZEIT ONLINE

Ursprüngliche Schwierigkeiten, Abnehmer für diese Fotos zu finden, führten im Herbst 2015 zur Idee eines neuen Onlinemagazins, welches die (aus Sicht des Fotografen) in der Berichterstattung fehlenden Bilder präsentieren sollte: ZWISCHENZEIT ONLINE. Denn hätte KRONE BUNT die Reportage nicht übernommen, wären die Bilder möglicherweise nie erschienen (die Geschichte befindet sich seit 2015 im europaweiten Agenturvertrieb und fand keinen weiteren Abnehmer).

Im Juni 2019 erscheint
„LIES! – Die Koranverteiler von der Mariahilfer Straße“
erstmals online.
Im ZWISCHENZEIT ONLINE-Magazin.


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JAZZ

Musiktipp: Ibrahim Maalouf - True Sorry

ZZON berichtet nicht nur alle Bilder.
Wir teilen auch, was wir gerne hören.


Ibrahim Maalouf – True Sorry

Künstler: Ibrahim Maalouf
Titel: True Sorry
Album: Illusions
Erscheinungsdatum: 5. November 2013
Label: Mi’ster Productions


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FLÜCHTLINGSKRISE

Es war mehr zu sehen, als der Gruß der Gotteskrieger

Es war mehr zu sehen, als der Gruß der Gotteskrieger

Juli 2015: In Traiskirchen demonstrieren Flüchtlinge und österreichische Aktivisten für Flüchtlingsrechte. Nach dem „Gruß der Gotteskrieger“ zeigt ZWISCHENZEIT ONLINE nun auch alle anderen Bilder von der Demonstration „United we stand for Refugee Rights in Traiskirchen“.

Fotos: Heinz Stephan Tesarek

ZZON präsentierte Ende Oktober 2018 eine Fotografie, auf der ein Mann zu sehen ist, der während einer Demonstration für Flüchtlingsrechte im Juli 2015 seine Hand zum „Tauhid“-Gruß hebt. Titel der Aufnahme: „Der Gruß der Gotteskrieger“ – denn der Fingerzeig gilt als Zeichen radikaler Islamisten.

Aber was war im Rahmen der Demonstration „United we stand for Refugee Rights in Traiskirchen“ sonst zu sehen? ZZON zeigt Bilder eines Tages, an dem sich viele der Problemstellungen kommender Jahre beobachten ließen. Von den Hoffnungen der täglich ansteigenden Zahl von Flüchtlingen bis zur zunehmenden gesellschaftlichen Spaltung innerhalb eines europäischen Ziel- bzw. Transitlandes – Österreich.


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Erstausgabe 2013

„Zwischenzeit – Bilder entscheidender Jahre“

Kopie № 1–100 mit Fine-Art Print
Nominiert für den deutschen Fotobuchpreis 2014

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FINGERZEIG

Der Gruß der Gotteskrieger

Der Gruß der Gotteskrieger

Was deutet dieser Mann? Die beiden Bilder entstanden im Zuge einer Demonstration für Flüchtlingsrechte im Juli 2015 in Traiskirchen – und beschäftigen seither den Fotografen. ZZON zeigt die beiden Aufnahmen erstmals online.

Fotos und Text: Heinz Stephan Tesarek

Juli 2015. In immer größerer Anzahl treffen Flüchtlinge – viele von ihnen aus dem syrischen Kriegsgebiet kommend – in Europa ein. Während einer Demonstration für Flüchtlingsrechte nahe der Bundesbetreuungsstelle Ost (besser bekannt als „Flüchtlingslager Traiskirchen“) streckt ein Teilnehmer seinen Finger Richtung Himmel – mutmaßlich zum sogenannten Tauhid-Gruß. Kurz zuvor deutete er auf die Beinstümpfe des Mannes neben ihm.

Später gewählter Titel der Aufnahme: „Der Gruß der Gotteskrieger“. Denn der erhobene Zeigefinger wurde im Laufe des Syrien-Krieges zum Zeichen der radikalen Islamisten, etwa von Anhängern des IS und der Al-Nusra-Front (Der Tauhid ist ursprünglich Teil des islamischen Glaubensbekenntnisses und bezieht sich auf die Einheit Gottes).

Ist der Tauhid-Gruß tatsächlich das Zeichen der Dschihadisten? 

Ist der Tauhid-Gruß tatsächlich das Zeichen der Dschihadisten oder nur ein Glaubensbekenntnis aller Muslime? Die folgende Galerie enthält rund 20 repräsentativ ausgewählte Fotografien, die den Einsatz des Tauhid-Grußes in den vergangenen Jahren zeigen. Hunderte weitere Bilder liegen ZWISCHENZEIT ONLINE vor.

Auch Anis Amri, der den Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche am 19. Dezember 2016 verübte, zeigte den Gruß unmittelbar nach seiner Tat in eine Überwachungskamera.

Gibt es auch Bilder, die den Tauhid-Gruß in friedvollem Kontext zeigen?


ZWISCHENZEIT ONLINE ist auf keine Aufnahmen gestoßen, die im Zusammenhang mit dem Syrien- und Irakkrieg stehen, zwischen 2011 (Kriegsbeginn in Syrien) und 2018 (Erscheinen dieses Beitrags) aufgenommen wurden, und nicht in Verbindung mit Gewalt stehen.


Es gibt aber auch (vergleichsweise wenige) Fotos, auf denen der Gruß abseits von terroristischem Umfeld Verwendung findet. Die meisten dieser Aufnahmen entstammen einem islamistischen Milieu – oder zeigen Personen anderer Kulturkreise, denen die Verwendung des Grußes nicht bekannt scheint. Auch die folgenden Inhalte stellen eine Auswahl dar und wurden repräsentativ gewählt:

Britische Polizisten und ein Unbekannter zeigen den Tauhid-Gruß.
https://www.jihadwatch.org/wp-content/uploads/2018/06/UK-cops-ISIS-salute.jpg

Das Oberhaupt der russischen Teilrepublik Tschetschenien, Ramsan Kadyrow.
https://www.welt.de/politik/ausland/article168371552/Warum-sich-Tschetscheniens-Autokrat-fuer-die-Rohingya-einsetzt.html

Eine vom Islamwissenschaftler Thorsten Gerald Schneiders veröffentlichte Einschätzung der Anwendung des Tauhid-Grußes.
https://twitter.com/tgs2001/status/564840778510630913?lang=de

Ein Mitglied der Bürgerwehr „Germanys Muslims“.
https://www. zwischenzeit.com/wp-content/uploads/2020/07/muslimischer_finger.jpg

Eine Gruppe von Kindern in einem Programm des schwedischen Fernsehsenders SVT.
https://www. zwischenzeit. com/wp-content/uploads/2020/07/swedish-children-k_1920px.jpg

Die US-amerikanische Islam- und Bürgerrechtsaktivistin Linda Sarsour.
https://ilmfeed.com/thousands-tweet-in-support-muslim-woman-after-she-is-attacked-by-islamophobes/

Die Bürgermeisterin von Minneapolis Betsy Hodges mit Unterstützerinnen und Unterstützern
(Video ab Minute 0:22).
https://youtu.be/u3po7RG2Eyc?t=22


Der Wahrheitsgehalt des Bildes

Warum „Der Gruß der Gotteskrieger“ nicht notwendigerweise die Ankunft von Gotteskriegern zeigt

„Der Gruß der Gotteskrieger“ ist zunächst eines: ein beachtenswerter Hinweis, dass sich unter den Flüchtlingen, die 2015 ankamen, möglicherweise auch Dschihadisten befanden (was sich bei den Anschlägen am 13. November 2015 in Paris oder dem Attentat am 19. Dezember 2016 in Berlin bewahrheitete). So unmissverständlich der Einsatz des Tauhid-Grußes sein mag:

Weshalb der Mann seinen Finger zum Gruß hob, kann das Bild nicht klären.
Es gilt daher ausdrücklich die Unschuldsvermutung!

ZZ


Alle Bilder der Demonstration „United we stand for Refugee Rights in Traiskirchen“ sehen Sie im Beitrag

„Es war mehr zu sehen, als der Gruß der Gotteskrieger“


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