Wie es ZWISCHENZEIT ONLINE und AUGUSTIN gelang, die Fotoreportage des Jahres zu produzieren

Foto: WUW-World Underground Wrestling

Bei der diesjährigen Verleihung der „Objektiv“-Pressefotopreise der Austria Presse Agentur wurde ZWISCHENZEIT ONLINE (ZZON) in zwei von sechs Kategorien ausgezeichnet. Gleich die erste für das neue Onlinemagazin fotografierte Geschichte „Chabela – die Königin vom Kella“ erhielt den „Objektiv“ für die beste Fotoreportage des Jahres.

Wie es in Zusammenarbeit mit der Straßenzeitung „Augustin“ und zwei Studenten der FH für Journalismus gelang, sich gegenüber den Produktionen der großen Medienhäuser zu behaupten, lesen Sie im Folgenden.


Aufmacherfoto oben: Verleihung des „Objektiv“ 2019 im Wiener Metropol. Sechsmal erhielt Heinz Stephan Tesarek „Objektiv“-Preise für Bilder, die er im Auftrag bekannter österreichischer Printmedien fotografierte. Da in den vergangenen Jahren Reportage-Aufträge immer öfter ausblieben, begann er mit der Planung eines neuen Onlinemagazins: ZWISCHENZEIT ONLINE. Ohne Aussicht, mit persönlichen Mitteln mehr umsetzen zu können als die Veranschaulichung einer Idee. Dass eine Realisierung des Projekts durchaus erfolgreich sein könnte, zeigte sich zuletzt bei der Verleihung des „Objektiv“ 2019.

Zusatzbild: „Chabela – Die Königin vom Kella“ bei ihrem Kampf gegen die „One Million$Ma’am“ (näheres in der Bildbeschreibung in der Gewinnerbilder-Galerie am Ende des Beitrags).


Wie es ZZON und Augustin gelang, die Fotoreportage des Jahres zu produzieren

Foto: Nina Strasser

Foto oben: Gegenseitige Unterstützung, das Teilen vorhandener Ressourcen und ein wenig Reporterglück führten zum Erfolg. FH-Studenten Sebastian Panny („Chabela – Die Königin vom Kella“) und Jonathan Weidenbruch („Der kleine Tod des Pornokinos“), ZZON-Gründer Heinz Stephan Tesarek und Reinhold Schachner, Mitglied des „Augustin“-Redaktionskollektivs.


Bestmögliche Reportagen

Anfang 2019 veröffentlichte ZWISCHENZEIT ONLINE zwei Fotoreportagen, die in Zusammenarbeit mit der Straßenzeitung „Augustin“ und Studenten des Instituts für Journalismus und Medienmanagement der FH Wien produziert wurden: „Chabela – Die Königin vom Kella“ und „Der kleine Tod des Pornokinos“.

Ziel der Kooperation war zunächst, mit minimalen Mitteln bestmögliche Reportagen zu produzieren und diese im Anschluss zeitgleich auf ZWISCHENZEIT online und im „Augustin“ in einem Printmedium zu veröffentlichen. ZZON würde erstmals die Vision eines neuen Online-Reportage-Magazins veranschaulichen können, der „Augustin“ im Moment einer angespannten wirtschaftlichen Situation Arbeiten veröffentlichen, wie sie auch in finanzstärkeren Medien kaum noch zu sehen sind (die beiden Bildserien wurden dem „Augustin“ unentgeltlich zur Verfügung gestellt).

Um die Geschichten auch für den „Objektiv“ einreichen zu können, galt es zunächst eine Hürde zu nehmen: die näher rückende Einreichfrist. Das erforderte vom „Augustin“, die Pornokino-Story kurzfristig eine Ausgabe früher als geplant zu veröffentlichen – was schließlich noch gelang. Nur fünf Tage vor Verstreichen der Einreichfrist erschien die Geschichte synchron im „Augustin“ und auf ZZON.

Die Verleihung des Objektiv 2019

Foto: APA-Fotoservice/Hörmandinger

Bei der diesjährigen Verleihung der mit insgesamt 16.000 Euro dotierten „Objektiv“-Pressefotopreise der Austria Presse Agentur und der Bundesinnung der Berufsfotografen wurde den ZZON/Augustin-Gemeinschaftsproduktionen besondere Aufmerksamkeit zuteil.

Beste Fotoserie des Jahres

Gleich mit der ersten für das ZZON-Magazin und den „Augustin“ fotografierten Reportage „Chabela – Die Königin vom Kella“ gewann ZWISCHENZEIT ONLINE* in der Kategorie „Beste Fotoserie“ (Fotos: Heinz Stephan Tesarek, Recherche und Text: Sebastian Panny. Die ganze Geschichte sehen Sie hier).

Foto: APA-Fotoservice/Hörmandinger

In ihrer Laudatio stellte Nana Siebert, stellvertretende Chefredakteurin des „Standard“, fest, dass es eigentlich traurig sei, dass die Serie in einem vom Fotografen selbst gegründeten Reportagemagazin – ZWISCHENZEIT ONLINE – und einer Straßenzeitung – dem „Augustin“ – erschien. „Es ist eine merkwürdige Situation, dass man bei einem Fotopreis wie dem „Objektiv“ kaum Reportagen zu sehen bekommt, die von großen Verlagen beauftragt wurden“, so Siebert. Zudem höre man immer öfter: „Fotografen für mehrere Tage auf Reportage zu entsenden, ist zu teuer“. Große Bildstrecken bei immer kleiner werdenden Umfängen abzudrucken, sei mittlerweile Luxus.

Bestes Bild in der Kategorie „Kunst und Kultur“

Mit welch geringen Mitteln sich Reportagen dennoch umsetzen ließen, verdeutlichte neben „Chabela – die Königin vom Kella“ eine zweite an dem Abend ausgezeichnete Produktion: Mit dem Bild „Der kleine Tod des Cinéma érotique“ gewannen ZWISCHENZEIT ONLINE und der „Augustin“ auch die Kategorie „Kunst und Kultur“ (Foto: Heinz Stephan Tesarek, Recherche und Text: Jonathan Weidenbruch. Die ganze Geschichte sehen Sie hier).

Foto: APA-Fotoservice/Hörmandinger

Laudatorin Luzia Strohmayer-Nacif, Leiterin des APA-PictureDesk, bemerkte Analogien zwischen Kino und Pressefotografie: „Digitale Welten übernehmen reale Ereignisse und schaffen so auch Einsamkeit. Tesarek ist es einmal mehr gelungen, ein Zeichen der Zeit in einem einzigen Bild einzufangen.“

Ein dritter Preis für den „Augustin“ für das Wirtschaftsfoto des Jahres

Der „Augustin“ konnte sich auch über einen dritten von insgesamt sechs Preisen freuen: Die Fotografin und Journalistin Nina Strasser erhielt für ihr Bild „Erika die Erste“ die Auszeichnung in der Kategorie „Wirtschaft“.

Foto: APA-Fotoservice/Hörmandinger

Der Status quo des Genres Fotoreportage

Das heißt, dass sämtliche 2019 ausgezeichneten Arbeiten, die auf Grundlage von Eigenrecherchen entstanden, von der Straßenzeitung „Augustin“ beauftragt und veröffentlicht wurden – in zwei Fällen produziert und coveröffentlicht von einem de facto One-Man-Magazin: ZWISCHENZEIT ONLINE.

Ein bemerkenswerter Moment.

Foto: Nina Strasser

Foto oben: Das vollständige Team mit „Objektiv“-Gewinnerin Nina Strasser. Sie wurde in den vergangenen Jahren auch vielfach für ihre Textreportagen ausgezeichnet. Im „Augustin“ lieferte sie infolge der Verleihung ein schlüssiges Argument, Produktion und Veröffentlichung erstklassiger Fotografie zu fördern:

„Bilder animieren zum Lesen“


Das Pressefoto des Jahres 2019. Oder: Die Beste kommt zum Schluss

Mit dem Hauptpreis des Bewerbs wurde die Reuters-Fotografin Lisi Niesner für ihr Bild „Brexit“ ausgezeichnet. Als erste weibliche Teilnehmerin erhält sie den „Objektiv“ für das „Pressefoto des Jahres“.

Auch dies ein bemerkenswerter Moment. ZWISCHENZEIT ONLINE gratuliert herzlich!

Foto: APA-Fotoservice/Hörmandinger


Die Gewinnerbilder des Objektiv 2019

Galerie


* Beim „Objektiv“-Fotopreis werden Fotografen für ihre Werke ausgezeichnet. In diesem Beitrag wurden Namen von Fotografen teilweise durch Namen der sie beauftragenden Medien – ZWISCHENZEIT ONLINE und „Augustin“ – ersetzt, um deren Rolle bei den jeweiligen Produktionen hervorzuheben.

sk/APAOTS


Heinz Stephan Tesarek ist freier Fotograf
und steht nach wie vor allen Auftraggebern zur Verfügung.

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www.heinztesarek.com


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auf dem Weg zum Untergang“ (Der Standard)

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LIES!-Die Koranverteiler von der Mariahilfer Straße

LIES!
Die Koranverteiler von der Mariahilfer Straße

Rekrutierten die Aktivisten des „LIES!“-Projekts für den IS?
Mitten in Wien und vor aller Augen?

 


Jahrelang begegnete man ihnen in Fußgängerzonen in ganz Europa: den Aktivisten der Koranverteilungskampagne „LIES!“. Aber wer waren diese Männer und welche Ziele verfolgten sie? Lag ihre Aufgabe in der Verteilung von Koranen oder rekrutierten LIES!-Leute zudem für den Dschihad in Syrien?

Eine Reportage von Heinz Stephan Tesarek

Spätsommer 2015. In Syrien tobt der Krieg, in Europa nähert sich die Flüchtlingskrise ihrem Höhepunkt. Auf der Wiener Mariahilfer Straße stehen fromme Männer mit langen Bärten und suchen das Gespräch mit Passanten, verteilen kostenlose Exemplare des Korans. Nicht nur in Wien, auch in anderen Städten; von Berlin bis Zürich, von Eisenstadt bis Mürzzuschlag. Man sieht sie in Paris, in London, am Balkan und im Vorfeld der Olympischen Spiele sogar in Rio de Janeiro.


Die Bilder

Die folgende in vier Kapitel gegliederte Fotoreportage entstand in den Jahren 2008, 2011 und 2015.
Ziel war die Zusammenstellung einer Bildserie – einer visuellen Indizienkette –, welche die Hintergründe des „LIES!“-Projekts unmissverständlich offenlegt. ZWISCHENZEIT ONLINE zeigt die Reportage erstmals online.


LIES!
Die Koranverteiler von der Mariahilfer Straße


Für die abgebildeten Personen gilt die Unschuldsvermutung


Die Maßnahmen der Politik im September 2015

Die Aufnahmen auf der Mariahilfer Straße entstanden im August und im Oktober 2015. Im September wurden keine Bilder gemacht – aus delikaten Gründen: Es herrschte Gemeinderatswahlkampf und die Organisation hatte (eigenen Angaben zufolge) zeitweilig keine Bewilligung zum Betrieb ihrer Stände erhalten.

Die Print-Veröffentlichung im November 2015
(und das Ende des „LIES!“-Projekts)

Die „LIES!“-Reportage erschien am 22. November 2015 – neun Tage, nachdem bei Anschlägen des IS in Paris 130 Menschen ums Leben kamen – auf sechs Seiten in der Sonntagsbeilage der Kronen Zeitung und erreichte über drei Millionen Leser. Drei Tage später – am 25. November – gab das „LIES!“-Projekt die einstweilige Einstellung seiner Aktivitäten in Österreich bekannt.

Die Geburtsstunde von ZWISCHENZEIT ONLINE
(und die erstmalige Online-Veröffentlichung der Bilder im Juni 2019)

Anmerkungen des Fotografen

Ursprüngliche Schwierigkeiten, Abnehmer für diese (und andere im Zuge der Flüchtlingskrise entstandene) Fotos zu finden, führten im Herbst 2015 zur Idee eines neuen Onlinemagazins: ZWISCHENZEIT ONLINE. Denn hätte KRONE BUNT die Reportage nicht übernommen, wären die Bilder möglicherweise nie in angedachter Form erschienen (die Geschichte befindet sich seit 2015 im europaweiten Agenturvertrieb und fand auf diesem Weg keinen weiteren Abnehmer).

Im Juni 2019 erscheint „LIES! – Die Koranverteiler von der Mariahilfer Straße“ erstmals online.

Im ZZON-Magazin


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Wenn Sie interessiert, welches Geschehen die Aufmerksamkeit des Fotografen in den Jahren vor dieser Reportage erweckte, sei Ihnen der Bildband „Zwischenzeit“ ans Herz gelegt.

„Bei der Ergründung der Fragen, was zu dieser Zeit in Europa geschah, welche Entwicklungen sich ankündigten und wie Politik, Gesellschaft und Medien diesen begegneten, gewähren die 96 Fotografien detailreiche und umfassende Einblicke. Ohne Kommentar – aber aus persönlicher Sicht“ (Buchbeschreibung).

Mit Kauf des Bandes unterstützen Sie die aktuelle Arbeit des Autors und den Aufbau von ZWISCHENZEIT ONLINE. Weitere Möglichkeiten, uns zu fördern, finden Sie unter dem Link UNTERSTÜTZEN.


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Wir hören gerne: Sara Naeini - Esharate Nazar

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Sara Naeini – Esharate Nazar

Künstler: Sara Naeini
Title: Esharate Nazar
Album: Esharat-E-Nazar
Erscheinungsdatum:
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Der kleine Tod des Pornokinos

Der kleine Tod des Pornokinos

Eines der letzten Wiener Erotikkinos ist in der Favoritenstraße vorzufinden.
Jonathan Weidenbruch (Text) und Heinz Stephan Tesarek (Fotos)
schauten sich das Fortuna Kino an.


Diese Reportage entstand in Kooperation mit der Straßenzeitung „Augustin“
und dem Institut für Journalismus und Medienmanagement an der FH Wien.

Das Bild „Der kleine Tod des Cinéma érotique“ (ganz oben) wurde mit dem APA-Pressefotopreis „Objektiv“ als bestes Foto des Jahres 2019 in der Kategorie „Kunst und Kultur“ ausgezeichnet.


 

Die Frau hinter der Theke zündet sich noch eine Zigarette an. Mit einem Augenzwinkern verrechnet sie 10,50 Euro für das Tagesticket und wünscht mit einer rauchigen Stimme viel Spaß bei der Vorstellung. Sie sitzt hinter der Theke im Fortuna Kino. Das Foyer stammt aus einer Zeit, als Eleganz noch Mode war. Dunkelrot beleuchtete Wände. Das Mobiliar war ganz bestimmt mal sehr modern, mutet heute aber antik an. Im Eck steht eine alte Popcornmaschine auf drei Rädern. Ein paar Filmplakate und erotische Werbeposter zieren die Wände. Am Anfang des Foyers, neben den Sesseln, die High-Heels imitieren sollen, sitzt eine weibliche Gummi-Puppe auf einem Barhocker, eingekleidet mit Latexstiefeln und schwarzer Reizunterwäsche. Am Ende des Raumes ist der Eingang in den Kinosaal. Es sind nur zwei Gäste im Saal, die in den hinteren Reihen tief in den Stoffsitzen hängen und masturbieren. Immer wieder hört man leises Stöhnen oder zitterndes Ausatmen. Auf der Leinwand haben zwei braungebrannte junge Menschen mit trainierten Körpern Sex am Pool.

Glück oder Schicksal. Das Fortuna Kino, eines der letzten Erotikkinos in Wien, feiert dieses Jahr sein 99-jähriges Bestehen. Der aktuelle Betreiber wirbt zwar mit «Seit 1918», doch wissenschaftliche Quellen nennen 1920 als Gründungsjahr, damals noch als «Anker Kino», das 134 Sitzplätze bieten konnte. Mit der Aufnahme von Tonfilmen im Jahr 1931 erfolgte auch die Umbenennung in «Fortuna Ton Kino». Es ist zusammen mit den Breitenseer Lichtspielen in Penzing das letzte klassische Vorstadtkino Wiens. «Fortuna» heißt aus dem Lateinischen übersetzt so viel wie «Glück» oder «Schicksal».

Kaum passender, denn während das Kino vom erotischen Glück innerhalb seiner Wände lebt, muss es sich gleichzeitig dem Schicksal des Wandels von außerhalb stellen. In Favoriten gab es im Laufe der Geschichte – die Quellenlage ist hier nicht eindeutig – insgesamt an die 20 Kinos, wobei das Fortuna Kino als einziges überlebt hat, abgesehen vom Cineplexx Wienerberg, das erst 2001 errichtet worden ist. Als die großen Kinoketten nach Wien kamen, haben sie viele der kleinen Kinos in den Ruin getrieben. Mitte der 70er-Jahre fand sich auch das Fortuna Kino in einer Überlebenskrise wieder. Es sah sich gezwungen, den regulären Betrieb einzustellen, und baute das gesamte Kino in ein Erotikkino um. Die Zahl der Sitze wurde halbiert und der gesamte Betrieb erotisch eingefärbt. Mit den breiteren Sitzabständen wurde das Kinoerlebnis um einiges intimer und die Besucher_innen konnten ihren sexuellen Lüste mehr oder weniger freien Lauf zu lassen.

Es fehlt an Sympathie. Rund vierzig Jahre später steckt das Fortuna Kino erneut in einer Krise. Seine Existenz wird vom Aussterben der Kundschaft bedroht. Mario Adlassnig hat das Fortuna Kino vor vier Jahren übernommen und sorgt seitdem für das Überleben des Kinos. «An manchen Tagen kommen während der gesamten Öffnungszeit gerade einmal 20 Gäste in das Kino. Das ist extrem wenig und bei einem Eintrittspreis von 10,50 Euro kann man sich ausrechnen, dass hier nicht viel Geld zusammenkommt.» Die Lage des Kinos ist prekär.


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Auch Personal zu finden, das die Arbeit zuverlässig macht, ist schwierig. Mario Adlassnig erzählt, dass es in der Vergangenheit schon oft Probleme mit Aushilfskräften gegeben habe, die Tagespässe nicht verrechnet hätten, um sich das Geld selbst einzustecken. Was vor allem fehlt, sei eine Sympathie für das Etablissement und das Konzept der Erotikkinos an sich. Nicht nur bei der Aushilfskraft, sondern auch in der Gesellschaft. Mario Adlassnig vergleicht es mit anderen traditionellen Einrichtungen: «Wenn das Geschäft nicht läuft und kurz vor dem Sterben ist, interessieren sich die wenigsten dafür. Sobald es dann zumacht, finden es alle furchtbar traurig und fragen sich, wieso denn so ein Geschäft sterben musste.»

Das 1918 gegründete Währinger Gürtel Kino. 2018 kam "der kleine Tod" auch hier zum letzten Mal

Der Grund für das drohende Aussterben dieser Genrekinos ist sehr logisch. Für viele Menschen hat ein Erotikkino einfach keinen praktikablen Nutzen mehr. Wer sich heute Pornofilme anschauen möchte, greift auf die immense Auswahl im Internet zurück. Erotikkinos zählen zu jenen Gewerben, welche durch die Digitalisierung laufend Kund_innen verlieren und sich fast nur mehr auf ihre langjährigen Kundenstämme verlassen können. Das Kino am Währinger Gürtel, ein anderes kultiges Erotikkino, das zum Fortuna Kino dazugehörte, hat diesen Kampf bereits verloren und musste letzten Sommer zusperren. Es sprach das urige Klientel an und konnte in Zeiten von Internetpornographie keine neuen Gäste gewinnen.

Feierabendbier im Foyer. Zu einem beachtlichen Teil lebt das Kino von Stammgästen und vor allem von denen, die mit den Erotikkinos in Wien aufgewachsen sind. Menschen, die bereits seit Jahren in der Szene unterwegs sind und das Fortuna Kino gut kennen. Das sind zum Beispiel Franz und Erwin, die an einem kleinen Tisch im Foyer gegenüber von der Theke sitzen. Beide sind aus unterschiedlichen Gründen hier. Franz kommt am frühen Abend ins Kino und trinkt hier sein Feierabendbier. Er erzählt, dass er am Kino vor allem die ausgelassene Atmosphäre schätzt. «Für mich ist es hier wie in einem Wirtshaus. Die Leute sind nett, man kann gut reden, und vor allem nimmt sich hier keiner ein Blatt vor den Mund.» Franz kennt sich in der Wiener Erotik-Szene nicht besonders gut aus. Ihn interessiert das weniger. Im Erotik-Kino zahlt er keinen Eintritt, denn wenn er hier ist, hält er sich nur im Foyer auf, im Kinosaal war er noch nie.

Hier nimmt keiner ein Blatt vor den Mund. Wenn es um Sex, Erotik oder Prostitution geht, sind die meisten ganz offen und schämen sich nicht, über ihre Bedürfnisse und Vorlieben zu sprechen. Erwin sitzt neben Franz und macht sich eine Flasche Cola auf. Die trinkt er meistens, wenn er mal wieder das Fortuna Kino besucht. Erwin kennt die Wiener Erotik-Szene schon sehr lange und auch dementsprechend gut. Er kommt aber nicht nur wegen dem Kino her, auch ein anderes Service, das angeboten wird, nützt er: Seit 2016 erfüllt das Fortuna Kino die Richtlinien des Wiener Prostitutionsgesetzes. Aktuell arbeitet Susi hier, und Erwin erzählt, dass sie es ihm besonders angetan hat. Es dauert nicht lang, bis Erwin und Susi im Kinosaal verschwinden und es sich auf der Couch in der letzten Reihe gemütlich machen.

Freiheit im dunklen Saal. Im Tagesgeschäft kommen Gäste auch wegen des erotischen Filmes vorbei. Das Kino gibt ihnen ein Gefühl, das sie zuhause vor dem Computerbildschirm so nicht bekommen. Mario Adlassnig spricht von «sehen und gesehen werden». Viele der Besucher_innen schätzen die Gesellschaft anderer, wenn sie sich selbst befriedigen. Die Möglichkeit einer Berührung oder Oralsex mit anderen Gästen zieht die Leute in ein Erotikkino, wo sie sich aus ihrem Alltag und vor allem von gesellschaftlich festgelegten sexuellen Normen befreien können.

Im dunklen Kinosaal weiß niemand, wer der oder die Andere ist, und es interessiert keine_n, welche sexuelle Orientierung man außerhalb des Kinos auslebt. So ist das Kino auch ein Treffpunkt. Die Dinge ergeben sich hier oft ganz spontan. Man sitzt nebeneinander, tauscht Blicke aus und legt die Hand in den Schoß des Sitznachbarn oder der -nachbarin. Wenn man nicht abgewiesen wird, kommt man sich näher.

Einmal im Monat Nostalgie. Im krassen Gegensatz dazu verwandelt sich das Fortuna Kino jeden vorletzten Samstag im Monat für eine Nacht in ein ganz normales Kino. Der reguläre Betrieb endet um 19 Uhr, damit bis 19.30 Uhr das Kino für den «Nostalgieabend» bereit ist. Erotische Plakate und Sex-Werbungen werden abgehängt und zur Primetime spielt es Klassiker wie Ein Mann sieht rot oder Zwei glorreiche Halunken. Popcorn, Mannerschnitten und eiskalte Frucade lassen dann auch den letzten Hauch von Erotik aus dem Kinosaal entweichen und vollenden das perfekte nostalgische Flair.

Vor dem Einlass der Kinobesucher_innen wird der Saal komplett gereinigt. Assoziationen zu einem Erotikkino sind vermutlich unhygienische Kinositze und unappetitliche Hinterlassenschaften voriger Gäste. Um dem entgegenzuwirken, achtet das Fortuna Kino sehr auf Sauberkeit. Ein spezielles Mittel desinfiziert die Sitze, und der gesamte Saal wird nicht nur sauber gemacht, sondern duftet am Ende frisch.

Nachdem die letzten Pornoszenen des regulären Programms über die Leinwand geflimmert sind, leert sich der Saal fast wie von selbst, ein paar bleiben aber immer sitzen. Mario Adlassnig legt meistens noch einen kurzen Pornofilm in den Projektor und wartet, bis die übrig gebliebenen Gäste den Saal verlassen haben. Kurz nach zehn Uhr sperrt Mario die Tür hinter Susi und dem letzten Gast zu – bis  am nächsten Tag um zwölf der Film von vorne beginnt. ZZ


Das ZZON-Team

Jonathan Weidenbruch ist 1997 in München geboren und in Frankfurt am Main aufgewachsen. Er studiert Journalismus und Medienmanagement an der FH Wien. “Der kleine Tod des Pornokinos” entstand im Zuge einer Lehrveranstaltung zu investigativem Journalismus.

Heinz Stephan Tesarek ist Fotojournalist und Gründer von ZWISCHENZEIT ONLINE. Für den „Augustin“ fotografierte er zuletzt auch „Chabela, die Königin vom Kella“.


Die Kooperation mit dem Augustin

Diese Reportage entstand in Zusammenarbeit mit „AUGUSTIN“, der „ersten österreichischen Boulevardzeitung“. Die von ZWISCHENZEIT ONLINE produzierten Bilder wurden der Wiener Straßenzeitung unentgeltlich zur Verfügung gestellt.

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Chabela, die Königin vom Kella

Chabela, die Königin vom Kella

Akrobatische Kämpfe, alberne Outfits, absurde Charaktere. Eine junge Generation von Athlet_innen und der Weg in den Untergrund haben Wrestling zu einer neuen Zielgruppe verholfen. Über die Renaissance eines Ur-Wiener Sports berichten Sebastian Panny (Text) und Heinz Stephan Tesarek (Fotos).


Eine ZWISCHENZEIT ONLINE-Produktion in Zusammenarbeit mit
der Straßenzeitung „Augustin“ und dem
Institut für Journalismus und Medienmanagement an der FH Wien.

Ausgezeichnet mit dem APA-Objektiv-Pressefotopreis als Fotoreportage des Jahres 2019
und dem Journalismus Nachwuchspreis der FHWien der WKW.


Das Gespenst des Kapitalismus hält an diesem verregneten Sonntagnachmittag im Jänner auch im Weberknecht Einzug – in der Person der «Million Dollar Ma’am». Das Gesicht versteckt hinter einer Ringermaske und mit prall gefüllten Geldsäcken in den Händen erwartet sie ihre Gegnerin. «She’s got balls» von AC/DC erklingt, Jubel brandet auf. Das Publikum ruft nach der «Königin vom Kella». Chabela sprintet auf die Bühne und zieht sich zwei Eier aus dem Höschen. Die Geldscheine, die ihre Kontrahentin als Bestechungsversuch zusteckt, nimmt sie entgegen – nur um sie publikumswirksam anzuzünden. Die Leute sind angeheizt, der Kampf kann beginnen.

Das Konzept des Wrestlings ist schnell erklärt: Mindestens zwei Athlet_innen bestreiten einen möglichst spektakulären Kampf. Wer gewinnt, wird im Vorhinein bestimmt. Als Wrestling noch Catchen genannt wurde, waren die Kämpfe ein Massenspektakel. Wien galt als eines der europäischen Zentren, ab 1892 fanden im Prater Veranstaltungen statt. Allein im Sommer 1964 fieberten laut ORF-Bericht insgesamt mehr als 350.000 Menschen bei den Shows am Wiener Heumarkt mit. Der letzte große österreichische Vertreter seiner Zunft war Otto Wanz, er durfte sich sogar World Heavyweight Champion nennen. Nach seinem Karriereende 1990 sank die Popularität des Sportes im deutschsprachigen Raum. Kurz vor der Jahrtausendwende ging auch der letzte Kampf am Heumarkt über die Bühne.

Kämpferinnen im Untergrund. Im Keller des Lokals am Lerchenfelder Gürtel drängen sich etwa 170 Personen aneinander und an die kahlen Backsteinwände. Es ist heiß, finster und stickig, der Boden leicht klebrig. Plakate künden von den Veranstaltungen, die sonst stattfinden, die Palette reicht von Bravo-Hits- bis Goa-Partys. Einige der Anwesenden kennen sich, sie werfen sich Grüße zu. Die unterschiedlichsten Leute haben zehn Euro Eintritt bezahlt: Die Sozialarbeiterin mit Dreadlocks und Bandshirt sitzt hier neben dem alten, grauhaarigen Mann im Norwegerpulli. Der überwiegende Teil des Publikums ist jung und könnte auch bei den Abendveranstaltungen anwesend sein, überraschend viele Frauen sind darunter. Warum sie alle hier sind? «Es geht nur um die Gaudi», so eine der Zuseherinnen.

Alle zwei Monate veranstaltet **World Underground Wrestling**(WUW) Kämpfe im Weberknecht, sechs stehen an diesem Tag an. Das vorletzte Match, der zweite Frauenkampf an diesem Nachmittag, ist jenes zwischen Chabela und Million Dollar Ma’am. Es folgt einer klassischen Dramaturgie: Nach dem Einlauf beginnt ein Geplänkel, die Kämpferinnen teilen Schläge aus und werfen sich gegenseitig zu Boden. Million Dollar Ma’am hat bald die Oberhand, das Publikum ist nicht glücklich darüber. Rollen und Sympathien sind klar verteilt.

«Zuerst habe ich mir gedacht, ich muss die Böse geben. Das ist aber wirklich harte Arbeit und benötigt viel Erfahrung. In erster Linie musst du gegen das Publikum sein. Ich habe dann alles auf mich zukommen lassen – das ist jetzt eben da, damit spiele ich», erzählt Chabela in einem Beisl in Rudolfsheim. Die 38-Jährige heißt im echten Leben mit Vornamen Isabell. Ihren Nachnamen möchte sie nicht in dieser Zeitung finden, es solle – ihrem Wunsch nach – ihre Bühnenfigur im Mittelpunkt stehen.


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Erhältlich ist die Ausgabe von 27. Februar bis 12. März 2019.


Isabell kommt, wie einige Wrestler_innen, aus der performativen Kunstszene. Eigentlich ist Isabell Clownin, sie verdient ihr Geld auch als Kindergartenpädagogin und mit Straßentheater. Irgendwann wollte sie einen Kampfsport erlernen, bald kam sie auf Wrestling, «diese saublöden Gestalten, die da bunt angezogen in die Manege reiten und sich gegenseitig vermöbeln». Vor vier Jahren suchte sie sich eine Wrestlingschule aus und ging zu einem Trainingstermin. Dass genau an diesem Tag das Training ausfiel, änderte nichts daran, dass Chabela schon vier Monate später ihren ersten Kampf bestritt.

Drama, Baby. Das Match nimmt nun Fahrt auf, langsam wendet sich das Blatt. Das liegt nicht nur am Geschehen auf der Bühne, das Publikum spielt hier mit. Die Zuseher_innen kommentieren, feuern an – und vor allem schimpfen sie. «Brich ihr’s Gnack!» ist noch einer der harmloseren Zwischenrufe. Drei Frauen sehen sich erschrocken um, rücken etwas näher zusammen. Sie studieren Theaterwissenschaften und sind nur wegen einer Lehrveranstaltung hier. «Ich finde das eher verstörend», meint eine von ihnen.

«Schlimm ist es, wenn die Leute ruhig sind. Wrestling ist wie eine Seifenoper – nur halt mit Publikumsbeteiligung und Kampfsport», meint Chabela. Viele Zuseher_innen kommen regelmäßig und bringen Schlachtrufe für ihre Favorit_innen mit. Sie sind hier nahe am Geschehen: Im Unterschied zum normalen Wrestling gibt es weder Ring noch Seile. Die Kämpfe finden auf einer Bühne statt, verlagern sich oft auf den Bereich davor oder in den Gang zwischen den Bänken. Dort landet auch Chabela, sie hat ihre Gegnerin mittlerweile im Griff und jagt sie durch das Publikum. Nach einer Tracht Prügel wuchtet sie Million Dollar Ma’am auf ihre Schultern, steigt auf die Bühne und präsentiert ihre Beute.

Ein Gast ist begeistert: «Das hier hat eine ganz eigene Atmosphäre, es ist wie ein trashiges B-Movie!» Nach dem Event versammeln sich alle Kämpfer_innen für ein Foto auf der Bühne. Um Chabela herum sind vorwiegend männliche Kollegen, manche sehen aus, als könnten sie einen mühelos in zwei Hälften brechen. Wird man als Frau in so einer Umgebung ernst genommen?

«Sexismus oder Belästigungen habe ich hier nie erlebt», betont Chabela. Sie wirkt fast empört über die Frage. «Am Anfang gab es vereinzelt Rufe aus dem Publikum, die zu weit unter die Gürtellinie gingen. So etwas wie ‹Scheiß ihr auf den Bauch!› Als es mir mal zu tief wurde, hab ich mir das Mikro geschnappt und das Publikum gefragt ‹Oida, wem von euch soll ich jetzt am Bauch scheißen?› Da waren sie ruhig. Jetzt habe ich schon lang nicht mehr so etwas gehört, aber das Publikum hat sich auch verjüngt.» Auch die Gagen sind fair: Alle Erlöse des Tages werden gleichmäßig verteilt.

Der Preis des Erfolgs. Wrestling ist nicht nur Show. Bis ein Sportler oder eine Sportlerin in der Lage ist, einen Kampf zu führen, dauert es einige Zeit. Im Keller einer katholischen Privatschule findet eines der zwei wöchentlichen Trainings statt. «Heute ist das erste nach einer Show. Da kommen immer recht wenige», erzählt Chabela am Weg. Vier Personen sind es diesmal – inklusive Trainer.

«Zuseher brauchen wir nicht noch mehr, da sind wir eh schon an unseren Grenzen. Nachwuchs brauch ich dringend!» Klein, stämmig, feurige Tattoos bis hinauf zur Glatze, keine fünf Sätze ohne einen Spruch in breitestem Wienerisch – Gerhard Hradil alias Humungus ist der Inbegriff des Wiener Strizzi.

Über 30 Jahre ist er jetzt in der Branche tätig. Erst als Kämpfer, dann als Veranstalter. «Früher war alles ernster. Erst 1997 wurde öffentlich gemacht, dass Wrestling nicht wirklich echt ist. Sogar ich war mir damals nur zu 90 Prozent sicher, dass das alles gespielt ist.» Während er erzählt, üben seine Schüler_innen, korrekt hinzufallen. «Du musst natürlich beide Aspekte lernen: das Kämpfen und die Show. Das Kämpferische ist dabei sicher schwieriger. Herkommen kann aber jeder. Heast, oft kannst nicht so fallen, ohne dir die Hand zu brechen!», ruft er einem seiner neueren Schüler zu. Viele seiner Schützlinge interessieren sich eher für die künstlerischen Aspekte – Charakter ausdenken, Outfit designen, die Rolle verkörpern. «Bei der Schauspielerei gibt es keinen Körperkontakt, das ist der Unterschied. Das müssen viele erst lernen.»

«Alle nahmen sich zu ernst.» Sein Sport wird in den letzten Jahren wieder populärer, die Kämpfe sind praktisch ausverkauft. «Wir sind 2012 der WUW beigetreten, eigentlich wollte ich davor schon aufhören. Es war viel Arbeit, die Shows waren aufgeblasen, gleichzeitig nahmen sich alle zu ernst. Dass ich etwa am Ende der Show noch alle für ein Foto auf die Bühne bringe, wäre früher nicht gegangen. Viele würden mich auch heute noch fragen, ob ich deppert bin. Aber vielleicht macht das auch unseren Erfolg aus.» Auch Chabela erklärt sich den Boom der letzten Jahre ähnlich. «Wir nehmen den Sport schon ernst. Aber uns selbst dafür nicht ganz so.»

Ihr Kampf mit Million Dollar Ma’am nähert sich seinem Ende. Chabela wirft ihre Kontrahentin zu Boden und sich selbst, Ellbogen voran, drauf. Ein mehrkehliges «Uhhh» ertönt im Publikum – teils aus Bewunderung, teils aus mitgefühltem Schmerz. Schließlich beendet sie das Leid ihrer Gegnerin mit einem Aufgabegriff, der Schiedsrichter erklärt sie zur Siegerin. Chabela nimmt sich einen Geldsack, läuft durch das Publikum und lässt es falsche Geldscheine und Schokomünzen regnen. Das Volk feiert seine Königin! ZZ


Das ZZON-Team

Sebastian Panny, geboren 1986 in Reichraming, studiert Journalismus und Medienmanagement an der FH Wien. „Chabela, die Königin von Kella“ entstand im Zuge einer Lehrveranstaltung zu investigativem Journalismus.

Heinz Stephan Tesarek ist Fotojournalist und Gründer von ZWISCHENZEIT ONLINE. Für Tesarek war es die erste Reportage, die in Zusammenarbeit mit der Straßenzeitung AUGUSTIN entstand.


Die Kooperation mit dem Augustin

Diese Reportage entstand in Zusammenarbeit mit „AUGUSTIN“, der „ersten österreichischen Boulevardzeitung“.

Die von ZWISCHENZEIT ONLINE produzierten Bilder wurden der Wiener Straßenzeitung unentgeltlich zur Verfügung gestellt.

Bei unserer Preispolitik orientieren wir uns dabei an einer investigativen Größe:


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www.paypal.me/zwischenzeit

Per Banküberweisung:
Heinz Tesarek
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BIC: EASYATW1


Die Zwischenzeit-Erstausgabe

Galerie: Die Erstausgabe 2013

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Zwischenzeit beim Festival Internazionale della Fotografia

Zwischenzeit beim Festival Internazionale della Fotografia in Orvieto

Fotos: Heinz Stephan Tesarek

Galerie: Zwischenzeit beim Festival Internazionale della Fotografia

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Zu sehen war nicht nur der Gruß der Gotteskrieger

Zu sehen war nicht nur der Gruß der Gotteskrieger

Fotos und Text: Heinz Stephan Tesarek

ZZON präsentierte im Oktober 2019 eine Fotografie, auf der ein Mann zu sehen ist, der während einer Demonstration für Flüchtlingsrechte im Juli 2015 seine Hand zum „Tauhid“-Gruß hebt. Titel der Aufnahme: „Der Gruß der Gotteskrieger“ – denn der Fingerzeig gilt als Zeichen radikaler Islamisten.

Aber was war bei dieser Kundgebung sonst zu sehen? ZZON zeigt Bilder eines Tages, an dem sich viele der Problemstellungen kommender Jahre beobachten ließen. Von den Hoffnungen der täglich ansteigenden Zahl von Flüchtlingen bis zur zunehmenden gesellschaftlichen Spaltung innerhalb eines europäischen Ziel- bzw. Transitlandes – Österreich.

Galerie: Alle Bilder des Tages


Die Zwischenzeit-Erstausgabe

Galerie: Die Erstausgabe 2013

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Musiktipp: Ibrahim Maalouf - True Sorry

Wir berichten nicht nur alle Bilder.
Wir teilen auch, was wir gerne hören.

Ibrahim Maalouf – True Sorry

Künstler: Ibrahim Maalouf
Title: True Sorry
Album: Illusions
Erscheinungsdatum: 5. November 2013
Label: Mi’ster Productions
Genre: Jazz


Der Gruß der Gotteskrieger

Der Gruß der Gotteskrieger

Fotos und Text: Heinz Stephan Tesarek

ZWISCHENZEIT ONLINE präsentiert eine Fotografie vom Juli 2015, auf der zwei Männer während einer Demonstration für Flüchtlingsrechte in Traiskirchen zu sehen sind. Einer davon streckt seinen Finger Richtung Himmel – zum sogenannten „Tauhid“-Gruß. Kurz zuvor verweist er auf die Beinstümpfe des Mannes neben ihm. Von ZZON gewählter Titel der Aufnahme: „Der Gruß der Gotteskrieger“. Denn der erhobene Zeigefinger wurde im Laufe des Syrien-Krieges zum Zeichen der radikalen Islamisten, etwa von Anhängern des IS und der Al-Nusra-Front (Der Tauhid selbst ist ursprünglich Teil des islamischen Glaubensbekenntnisses und bezieht sich auf die Einheit Gottes).

Ist der „Tauhid“-Gruß tatsächlich das Zeichen der Dschihadisten?

Ist der „Tauhid“-Gruß tatsächlich das Zeichen der Dschihadisten oder nur das Glaubensbekenntnis aller Muslime? Die folgende Galerie enthält rund 20 repräsentativ ausgewählte Fotografien, die den Einsatz des „Tauhid“-Grußes in den vergangenen Jahren zeigen. Hunderte weitere Bilder liegen ZWISCHENZEIT ONLINE vor.

Galerie: Der Einsatz des „Tauhid“-Grußes.


Warnung: Die Bilder enthalten Szenen extremer Gewalt

Auch Anis Amri, der den Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche am 19. Dezember 2016 verübte, zeigte den Gruß unmittelbar nach seiner Tat in eine Überwachungskamera.

Gibt es auch Bilder, die den Tauhid-Gruß in friedvollem Kontext zeigen?

ZWISCHENZEIT ONLINE ist auf eine vergleichsweise geringe Anzahl von Fotos gestoßen, auf denen der Gruß abseits von terroristischem Umfeld Verwendung findet.

Aufnahmen im Zusammenhang mit dem Syrien- und Irakkrieg bzw.
der Flüchtlingskrise sind nicht darunter.

Gezeigt wird der Gruß auch im Umfeld der Muslimbrüder und anderer islamistischer Gruppierungen, zumeist um Sieges- oder Machtanspruch zum Ausdruck zu bringen. ZZON identifiziert sich nicht notwendiger Weise mit den folgenden verlinkten Inhalten (auch diese sind repräsentativ gewählt):

Britische Polizisten und ein Unbekannter zeigen den „Tauhid“-Gruß.
https://www.jihadwatch.org/wp-content/uploads/2018/06/UK-cops-ISIS-salute.jpg

Das Oberhaupt der russischen Teilrepublik Tschetschenien, Ramsan Kadyrow.
https://www.welt.de/politik/ausland/article168371552/Warum-sich-Tschetscheniens-Autokrat-fuer-die-Rohingya-einsetzt.html

Eine vom Islamwissenschaftler Thorsten Gerald Schneiders veröffentlichte Einschätzung der Anwendung des „Tauhid“-Grußes.
https://twitter.com/tgs2001/status/564840778510630913?lang=de

Ein Mitglied der Bürgerwehr „Germanys Muslims“.
https://www.focus.de/fotos/die-germanys-muslims-auf-facebook_id_7404268.html

Eine Gruppe von Kindern in einem Programm des schwedischen Fernsehsenders SVT.
https://new.euro-med.dk/20151030-swedish-tv-for-children-heil-isis-swedens-totalitarian-problem.php

Die US-amerikanische Islam- und Bürgerrechtsaktivistin Linda Sarsour.
https://ilmfeed.com/thousands-tweet-in-support-muslim-woman-after-she-is-attacked-by-islamophobes/

Die Bürgermeisterin von Minneapolis Betsy Hodges mit Unterstützerinnen und Unterstützern
(Video ab Minute 0:22).
https://youtu.be/u3po7RG2Eyc?t=22

Der Wahrheitsgehalt des Bildes:
kein Beweis, sondern ein beachtenswerter Hinweis

„Der Gruß der Gotteskrieger“ ist zunächst eines: ein beachtenswerter Hinweis, dass sich unter den Flüchtlingen, die 2015 ankamen, möglicherweise auch Dschihadisten befanden (was sich später etwa bei den Anschlägen am 13. November 2015 in Paris oder dem Attentat am 19. Dezember 2016 in Berlin bewahrheitete). So unmissverständlich der Einsatz des „Tauhid“-Grußes auch sein mag: Identität und Intentionen der beiden Männer kann das Bild nicht klären. Es gilt daher die Unschuldsvermutung.

Alle Bilder der Demonstration für Flüchtlingsrechte in Traiskirchen finden Sie hier.


Die Zwischenzeit-Erstausgabe

Galerie: Die Erstausgabe 2013

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Addendum 9 Add-on: Das erste Bild vom Tag der Nationalratswahl 2017

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